Von der Funktion zur Angabe: Lager, Dichtung, Anschlag und Sitz
Lagersitz, Dichtfläche, Gleitsitz, Anschlag: welche Angabearten die Funktion einer Fläche verlangt und warum der Katalog des Gegenstücks mitbestimmt.
Lager und Dichtung: der Katalog des Gegenstücks bestimmt mit
Bei einem Wälzlager, einem Gleitlager oder einer Radialdichtung ist die Gegenfläche kein freies Konstruktionsfeld. Die Anbieter von Lagern und Dichtungen veröffentlichen in ihren Katalogen Einbauvorgaben für die Fläche, auf der ihr Bauteil sitzt oder läuft. Diese Vorgaben gelten vor der eigenen Wahl. Die Zeichnung übernimmt sie und braucht dafür die passenden Angabearten, nicht eigene Werte.
Welche Angabearten das sind, folgt aus der Funktion. Am Sitz eines Wälzlagers legt die Zeichnung Maß und Passung, Form, Lage und Oberfläche fest; der Kantenzustand hängt vom Eckenradius des Lagers ab und wird geklärt. Bei einer Gleitlagerstelle sind es Maß, Form und Oberfläche, während die Lage zu einer zweiten Lagerstelle vom Aufbau der Lagerung abhängt. Eine Radialdichtung verlangt Maß, Lage, Oberfläche und die Einführkante; ob die Form enger als sonst eingegrenzt werden muss, steht im Katalog der Dichtung.
Fehlt der Katalog, bleibt die Zeile in der Zeichnung leer, und die Anfrage nennt den Typ des Lagers oder der Dichtung, damit sich die Vorgabe nachschlagen lässt.
| Funktion | festlegen | klären |
|---|---|---|
| Wälzlagersitz | Maß, Form, Lage, Oberfläche | Kante |
| Gleitlagerstelle | Maß, Form, Oberfläche | Lage, Kante |
| Radialdichtung | Maß, Lage, Oberfläche, Kante | Form |
Grundlage: Einbauvorgaben stehen in den Katalogen der Anbieter von Lagern und Dichtungen; die Zuordnung der Funktionen zu den Angabearten ist eine Ordnungsregel dieser Seite und keine Norm.
Gleitsitz, Zentrierung, Pressverbindung
Drei Paarungen, drei Gewichtungen derselben fünf Angabearten.
Gleitsitz
Ein Gleitsitz soll sich verschieben oder drehen lassen und hält dabei Spiel ein. Entscheidend ist die Passung; Form und Oberfläche entscheiden mit, ob das Spiel über die ganze Länge gleich bleibt. Die Lage zählt, wenn mehrere Sitze auf einer Achse liegen.
Zentrierung
Eine Zentrierung richtet ein Teil auf ein anderes aus. Dafür braucht sie eine Passung und eine Lageangabe zur Bezugsachse. Ob zusätzlich Form und Oberfläche eingegrenzt werden, hängt von Länge und Fügung ab und wird mit der Konstruktion geklärt.
Pressverbindung
Bei einer Pressverbindung hält das Übermaß. Die Passung und die Form, die die Pressung über die Länge gleichmäßig macht, werden festgelegt, ebenso die Fügefase. Lage und Oberfläche sind eine Frage der Belastung.
Nachzulesen ist das so: Passungen stehen in ISO 286-1, geometrische Angaben in ISO 1101. Hier steht nur, welche Funktion welche Angabeart braucht.
Anschlag, Auflage und Sichtfläche
Flächen, die weniger verlangen, als man vermutet.
Ein Anschlag verlangt vor allem eine Lage: Die Anlagefläche muss zur Achse stehen, sonst liegt das Gegenstück schief an. Das legt ein Planlauf oder eine Rechtwinkligkeit fest. Ein enges Maß an der Fläche selbst ist selten nötig, denn die Bemaßung des Teils bestimmt, wo der Anschlag sitzt.
Die Auflage einer Schraube braucht kaum etwas Enges. Die Allgemeinangabe genügt für Maß, Form und Oberfläche; zu klären bleibt, ob die Auflage rechtwinklig zur Schraubenachse stehen muss und ob Grate am Rand stören.
Eine Sichtfläche schließlich wird gesehen und angefasst. Ihre Funktion sitzt in der Oberfläche und in den Kanten, und genau diese beiden Angaben gehören in die Zeichnung. Ein enges Maß an der Sichtfläche hätte keinen Zweck, es würde nur geprüft werden müssen.
Funktion unklar? Drei Fragen an die Fläche
Wenn die Zeichnung die Funktion nicht nennt, lässt sie sich meist erschließen.
Nicht jede Fläche trägt ihre Funktion im Namen. Hilfreich sind drei Fragen. Liegt an der Fläche ein anderes Teil an, etwa ein Ring, eine Schraube oder ein Gehäuse? Bewegt sich dieses Teil gegen die Fläche, gleitet oder dreht es sich also? Wird an der Fläche etwas abgedichtet? Wer alle drei mit nein beantwortet, hat in der Regel eine freie Fläche vor sich, und die Allgemeinangabe genügt.
Bleibt eine Antwort offen, ist das ein Fall für die Konstruktion und nicht für die Anfrage. Der Ermittler zählt solche Flächen als Klärpunkte und stellt die passende Frage in seiner Liste.
Präzisionsteile nach Funktion einordnen
Ein Sammelbegriff, der erst mit den Angaben der Zeichnung etwas aussagt.
„Präzisionsteile“ und „CNC-Präzisionsteile“ sind Sammelbegriffe. Gemeint sind Teile, deren Flächen funktionsbedingt genaue Angaben tragen, vom Lagersitz bis zur Dichtfläche. Eine Norm für den Begriff gibt es nicht, und er erlaubt keinen Schluss darauf, wie eng die einzelne Fläche angegeben ist.
Wer solche Teile anfragt, ordnet deshalb zuerst seine Flächen nach der Funktion und prüft dann, ob die Zeichnung für jede Fläche die passenden Angabearten trägt. Genau das nimmt Ihnen der Genauigkeits-Ermittler Fläche für Fläche ab.
Häufige Fragen
Über den Katalog des Lagers: Seine Einbauvorgaben gehen vor eigener Wahl. Die Zeichnung braucht dann Maß, Form, Lage und Oberfläche der Sitzfläche; den Kantenzustand klären Sie anhand der Funktionsanforderung.
Ein Sammelbegriff ohne Norm für Teile mit funktionsbedingten Genauigkeitsangaben. Welche das sind, bestimmt die Funktion jeder Fläche, nicht die Bezeichnung des Teils.
Verfasst von der Evotec GmbH, Arnsberg · Stand 03.10.2026
Angaben begründet? Dann kann die Anfrage raus.
Legen Sie der Anfrage die Unterlagen zum Teil bei, wenn möglich mit dem Ergebnis des Ermittlers. Offene Punkte klären wir mit Ihnen, bevor ein Angebot hinausgeht.